SIT-Studie: Simulated Interaction Task
Soziale Interaktion bei Anorexia nervosa besser verstehen
Menschen mit Anorexia nervosa berichten häufig über Schwierigkeiten in der Emotionsverarbeitung, im emotionalen Ausdruck und im sozialen Miteinander. Diese Herausforderungen können den Krankheitsverlauf beeinflussen und zur Aufrechterhaltung der Symptomatik beitragen. Gleichzeitig fehlen bislang ausreichend standardisierte und zugleich realitätsnahe Verfahren, um soziale Interaktion bei AN differenziert zu untersuchen.
In einer aktuell laufenden Studie der Universitäten Münster und Bielefeld, an der unserer Klinik teilnimmt, wird daher ein innovatives, interaktionsnahes Paradigma eingesetzt: der „Simulated Interaction Task“. Die Teilnehmenden führen dabei ein Gespräch mit einer vorab aufgezeichneten Schauspielerin, deren mimische und gestische Reaktionen eine natürliche Gesprächssituation simulieren. So können soziale Prozesse unter kontrollierten Bedingungen und dennoch alltagsnah erfasst werden.
Während der Interaktion werden Video- und Audiodaten aufgezeichnet. Mithilfe moderner Analysemethoden werden nonverbale Merkmale wie Mimik, Blickverhalten und stimmliche Eigenschaften ausgewertet. Ergänzend kommen wissenschaftlich etablierte Fragebögen zu klinischen Symptomen und psychosozialer Funktionsfähigkeit zum Einsatz.
Ziel ist es, spezifische Muster sozialer Interaktion bei AN zu identifizieren und deren Zusammenhang mit der Symptomatik besser zu verstehen, um langfristig gezieltere und wirksamere Behandlungsansätze zu unterstützen.