Adipositas

StationÀre Versorgung bei Adipositas und assoziierten Störungen

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Die zunehmende Verbreitung von Übergewicht und Adipositas ist das Ergebnis eines Zusammenspiels aus ĂŒbermĂ€ĂŸiger Kalorienaufnahme – insbesondere durch ein verĂ€ndertes, weniger regelmĂ€ĂŸiges ErnĂ€hrungsverhalten sowie die stĂ€ndige VerfĂŒgbarkeit hochverarbeiteter, energiedichter Lebensmittel und zuckerhaltiger GetrĂ€nke – ergĂ€nzt durch Bewegungsmangel sowie genetische und sozioökonomische Faktoren, die unsere heutige Lebensweise prĂ€gen. Auch somatische Erkrankungen können – wenn auch selten – ursĂ€chlich zu einer Adipositas beitragen, etwa eine SchilddrĂŒsenunterfunktion oder bestimmte Medikamentennebenwirkungen wie durch Psychopharmaka. Ebenso können Essstörungen als zugrunde liegende Ursache von Übergewicht eine Rolle spielen, zum Beispiel die Binge-Eating-Störung oder die Night-Eating-Disorder. Betroffene können neben hĂ€ufigen gesundheitlichen Folgeproblemen soziale Ausgrenzung erfahren, sei es in Form von abschĂ€tzigen Blicken im tĂ€glichen Leben oder unangebrachten Kommentaren.

Wenn ErnÀhrung, Bewegung und LebensumstÀnde aus dem Gleichgewicht geraten und Gewicht zur Last wird.

Symptomatik

Als Folge eines krankhaften Übergewichts bzw. einer Adipositas kann es zu einer Vielzahl medizinischer Begleit- und Folgeerkrankungen kommen, die neben einer teils erheblichen BeeintrĂ€chtigung der LebensqualitĂ€t auch zu schwerwiegenden Gesundheitsproblemen fĂŒhren können. Dazu zĂ€hlen vor allem kardiovaskulĂ€re Erkrankungen wie Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit und Schlaganfall. HĂ€ufig treten zudem Fettstoffwechselstörungen, das Schlafapnoe-Syndrom sowie orthopĂ€dische Beschwerden auf, etwa chronische RĂŒckenschmerzen oder Arthrosen der großen Gelenke – insbesondere ein Verschleiß der Knie- und HĂŒftgelenke. DarĂŒber hinaus besteht ein erhöhtes Risiko fĂŒr die Entwicklung einer Fettleber, bestimmte Krebserkrankungen sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen.

Diagnose

Die Diagnose der Adipositas erfolgt in erster Linie anhand des Body-Mass-Index (BMI), der das VerhĂ€ltnis von Körpergewicht zu KörpergrĂ¶ĂŸe beschreibt. Zur besseren Einordnung des ErnĂ€hrungszustandes erfolgt die Bestimmung weiterer anthropometrische Parameter, z.B. das VerhĂ€ltnis von Taillen- zu HĂŒftumfang sowie ergĂ€nzend die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA). Sie ist ein Verfahren zur Bestimmung der Körperzusammensetzung (u. a. Fett-, Muskelmasse und Körperwasser) und ermöglicht uns, zusĂ€tzlich zu Gewichtsentwicklung, Bauchumfangmessungen und Laborwerten die positiven Effekte einer LebensstilĂ€nderung sowie der damit verbundenen Gewichtsabnahme objektiv darzustellen. Auf diese Weise werden neben der subjektiv spĂŒrbaren Leistungssteigerung (z. B. bei Laufstrecken oder beim Treppensteigen) auch messbare Fortschritte sichtbar.

Übersichtstabelle des BMI zur Einteilung des Körpergewichts. Die Kategorien sind: Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht (PrĂ€adipositas 25,0−29,9), Adipositas Grad I (30,0−34,9), Grad II (35,0−39,9) und Grad III (>40).
Der BMI ist ein Anfang – nicht das ganze Bild.

DarĂŒber hinaus werden in der Diagnostik auch mögliche Begleit- und Folgeerkrankungen – wie etwa Bluthochdruck, Diabetes oder Fettleber – erfasst, um ein umfassendes Bild der gesundheitlichen Situation zu erhalten und, wenn nötig, entsprechende therapeutische Maßnahmen einzuleiten.

Behandlung

Wir bieten Ihnen in unserer Klinik eine professionelle und ganzheitliche Behandlung der Adipositas – auch bei gleichzeitig vorliegender Essstörung – mit dem Ziel eines gesĂŒnderen und aktiveren Lebens. Unsere Therapie orientiert sich an den aktuellen Empfehlungen der neuen S3-Leitlinie zur PrĂ€vention und Therapie der Adipositas und berĂŒcksichtigt auch moderne medikamentöse BehandlungsansĂ€tze. Zu den bedeutendsten Fortschritten der letzten Jahre zĂ€hlen neue gewichtsreduzierende Medikamente, darunter Inkretin-Mimetika wie Semaglutid (“Abnehmspritze”). Sie können als unterstĂŒtzende ErgĂ€nzung dienen, wenn Maßnahmen wie ErnĂ€hrungsumstellung, Bewegungstherapie und psychotherapeutische Interventionen allein nicht zu einer ausreichenden Gewichtsreduktion fĂŒhren.

Unser interdisziplinĂ€res Team aus den Fachbereichen ErnĂ€hrungsmedizin, Psychologie, Innere Medizin, Bewegungs- und Physiotherapie unterstĂŒtzt Sie dabei, eine Gewichtsreduktion verbunden mit einer nachhaltigen LifestyleĂ€nderung zu erreichen.

Wie kann eine Gewichtsreduktion nachhaltig erreicht werden?

Die Regulation des Körpergewichts unterliegt einer komplexen zentralnervösen Kontrolle. Dementsprechend können Maßnahmen, die nur auf einen einzelnen Faktor abzielen, kaum erfolgreich sein. Ein zentraler Baustein der erfolgreichen Adipositasbehandlung ist deshalb ein individuell auf die BedĂŒrfnisse des Einzelnen abgestimmtes, multimodales Behandlungsprogramm, das aus den drei SĂ€ulen ErnĂ€hrungstherapie, Verhaltenstherapie und Bewegungstherapie besteht. Dabei können nur andauernde VerĂ€nderungen des Lebensstils nachhaltig sein. Eine Gewichtsabnahme macht nur dann Sinn, wenn die damit verbundene und notwendige LebensstilĂ€nderung ernst gemeint ist und zur Persönlichkeit der betroffenen Person passt.

Was nĂŒtzt der Vorsatz, regelmĂ€ĂŸig Fahrrad zu fahren, wenn ich kein Typ fĂŒr Einzelsport bin und niemanden habe, der mit mir Fahrrad fĂ€hrt?

FĂŒr viele Menschen ist es wichtig, verabredet Sport zu treiben, also teilnehmen zu mĂŒssen, einen festen Termin fĂŒr Sport zu haben – so wie es in unserer Klinik der Fall ist, und dies auch fĂŒr zu Hause vorbereitet wird. Wir vermitteln unseren Patient*innen, dass regelmĂ€ĂŸige Bewegung oder Sport treiben anfangs nicht zwingend mit Freude verbunden sein muss – das kommt oft mit der Zeit, sobald es zur Gewohnheit geworden ist.

Ganz entscheidend fĂŒr eine erfolgreiche Gewichtsreduktion ist auch die Normalisierung des Essverhaltens. Gemeinsam mit Ihnen erstellen wir einen ErnĂ€hrungsplan (orientiert an Ihrem individuellen kalorischen Bedarf), der die Strukturierung der Mahlzeiten umfasst, sich an Ihren Alltag anpasst und gesund, ausgewogen und energiereduziert ist. Durch eine regelmĂ€ĂŸige Mahlzeitenstruktur wird das Essverhalten normalisiert, Hunger- bzw. Heißhungererleben wird vermieden. UngĂŒnstige Ess- oder Trinkgewohnheiten werden analysiert und durch bessere Alternativen ersetzt, die die Energiedichte, den Blutzuckeranstieg bzw. den glykĂ€mischen Index und das SĂ€ttigungsgefĂŒhl berĂŒcksichtigen. Generell sprechen wir von „clever essen“. Gemeint ist eine ErnĂ€hrung, die zu Ihrem Stoffwechsel und Ihren Vorlieben passt, Genuss erlaubt und gleichzeitig hilft, nicht dauerhaft zu viel oder das Falsche zu essen. Damit ist eine Essstörung vom Binge-Eating-Typ sehr gut mitbehandelbar. Um EssanfĂ€lle zu vermeiden, ist es wichtig, Hunger- bzw. insbesondere HeißhungeranfĂ€lle zu verhindern, da diese naturgemĂ€ĂŸ zu einem „Dammbrucherlebnis“ fĂŒhren können: Statt bewusst und angemessen zu essen, denkt man „Jetzt ist es auch schon egal“, und alles wird in sich hineingeschlungen. Dies muss vermieden werden!

ErgĂ€nzend dazu bieten wir eine angeleitete Bewegungstherapie mit individuell gestalteten Trainingsprogrammen (gezieltes Kraft- und Ausdauertraining), die sich an Ihren FĂ€higkeiten und Vorlieben orientieren und auf eine Verbesserung der körperlichen Kondition sowie auf eine muskelerhaltende Gewichtsreduktion abzielen. Schwimmen ist eine gelenkschonende Trainingsmöglichkeit, ebenso wie Aquafitness, die in Kooperation mit unserer Klinik im nahegelegenen Kurhaus angeboten wird. So fördern wir mit gezieltem Kraft- und Ausdauertraining einen bewegungsorientierten Lebensstil, den Sie in Ihren Alltag integrieren können – lieber die Treppe am Bahnhof nehmen statt den Fahrstuhl.

In unserer Klinik bieten wir eine ganzheitliche und professionelle Behandlung der Adipositas – auch bei gleichzeitig bestehenden Essstörungen – auf Grundlage der aktuellen S3-Leitlinie zur PrĂ€vention und Therapie der Adipositas. Unser interdisziplinĂ€res Team aus ErnĂ€hrungsmedizin, Psychologie, Bewegungstherapie und Physiotherapie arbeitet nach einem multimodalen Behandlungskonzept, das ErnĂ€hrungstherapie, Verhaltenstherapie und Bewegung kombiniert.

Bei Bedarf können moderne medikamentöse BehandlungsansĂ€tze wie GLP-1-Rezeptoragonisten („Abnehmspritze“) eingesetzt werden. Ziel der Therapie ist keine kurzfristige Gewichtsabnahme, sondern eine nachhaltige VerĂ€nderung des Lebensstils mit langfristiger Stabilisierung des Körpergewichts und einer spĂŒrbaren Verbesserung der LebensqualitĂ€t.