ADHS

Stationäre Therapie bei ADHS und 
komorbiden Störungen im Erwachsenenalter

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Die ADHS ist eine Störung, die sich im frühen Kindesalter bemerkbar macht. Behandlungen erfolgen meist bis ins Jugendalter. Doch einige der Patientinnen und Patienten leiden bis ins Erwachsenenalter an den Symptomen. Und bei nicht allen Betroffenen wird die Störung erkannt. Einige leiden jahrzehntelang unter den Symptomen, ohne eine hilfreiche Therapie finden zu können. 

Patientinnen und Patienten, die einen starken Leidensdruck erleben, sind ihrer Krankheit im Alltag oft hilflos ausgeliefert. Sie sind stark überfordert damit, sich und ihren Lebensweg zu organisieren. Führt der Leidensdruck und die Hilflosigkeit zu schwierigen Lebenssituationen, kann eine stationäre Therapie notwendig werden. Ein häufiges Problem der ADHS ist es zudem, dass sie im Verborgenen andere seelische Erkrankungen fördern kann. Patientinnen und Patienten begeben sich dann wegen anderer Erkrankungen in Therapie. Doch die eigentliche Ursache ihrer Leiden – die ADHS – bleibt bestehen und führt erneut zu begleitenden Belastungen. 

Entscheidend ist es für diese Patientinnen und Patienten, dass ihr wahres Leiden erkannt wird. Es wird untersucht, ob (auch diagnostizierten) Erkrankungen wie etwa eine Depression, Angst- und Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen und weitere Krankheitsbilder durch eine ADHS ausgelöst bzw. unterhalten werden. Für diese Patientinnen und Patienten ergeben sich genau wie für bereits diagnostizierte ADHSler entsprechende Behandlungsmethoden in einer stationären Therapie in der Klinik Lüneburger Heide.

Zielgruppen der Behandlung
  • Patientinnen und Patienten mit einer schweren Ausprägung der ADHS, dass ambulante Maßnahmen nicht ausreichen.
  • Patientinnen und Patienten, bei denen im Sinne einer Komorbidität (Begleiterkrankung) eine stationär behandlungsbedürftige seelische Erkrankung besteht. Dies können zum Beispiel Depressionen, ein Erschöpfungssyndrom, Angst- und Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen oder Schmerzsyndrome sein.
  • Patientinnen und Patienten, bei denen eine krisenhafte Zuspitzung in ihrem Lebensalltag droht und eine ambulante Therapie nicht ausreichend greift. Dies kann der Fall sein, wenn Konflikte im sozialen oder beruflichen Umfeld drohen, derart zu eskalieren, dass – mitunter auch existenzielle – Notsituationen entstehen können.

Symptome einer ADHS

Der ADHS liegen spezifische neuronale Prozesse im Gehirn zugrunde. Diese sind genetisch bedingt. Die Störung wird damit erklärt, dass die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin in anderer Form im Gehirn aktiv sind, als bei Menschen, die nicht von ADHS betroffen sind. Diese Prozesse im Gehirn begleiten die Betroffenen ein Leben lang.

Liegt diese Störung vor, verarbeitet das Gehirn der Betroffenen die Informationen in einer Form, die ihnen als übermäßig, chaotisch und wenig regulierbar erscheint – eben hyperaktiv. Je nachdem, wie stark jemand betroffen ist, ist seine Fähigkeit eingeschränkt, klare Gedanken und Strukturen aufrechtzuerhalten. Den Betroffenen wird es schwer bis unmöglich, ihren Alltag zu organisieren oder sich auf einzelne Dinge länger und ausdauernd zu konzentrieren. Viele sind hilflos gegenüber ihren – manchmal auch aggressiven – Impulsen, können Reize nur schlecht filtern und verarbeiten, Impulsivität, Sprunghaftigkeit, fehlende Verlässlichkeit und Ähnliches kennzeichnen ihr Leben. 

Da es sich um eine genetisch bedingte Symptomatik handelt, sind oft auch Eltern oder Geschwister betroffen oder es lässt sich eine ADHS über mehrere Generationen verfolgen. Ein wichtiges Merkmal der ADHS ist es daher, dass sie sich bereits in der frühen Kindheit zeigt – nicht unbedingt aber in diesem Alter als solche erkannt wird. 

Merkmale einer ADHS in der frühen Kindheit können sein: Kleinkinder mit ADHS-Veranlagung reagieren häufiger ungewöhnlich auf Berührung und Nähe, sind schwieriger zu beruhigen (»Schreibaby«) oder reagieren beim Stillen und Füttern auffälliger und weisen gelegentlich erhebliche Entwicklungsverzögerungen und zusätzliche Wahrnehmungs- und Motorikprobleme auf. Diese Auffälligkeiten der frühkindlichen Entwicklung können auftreten, müssen aber nicht. Liegen diese Merkmale vor, ist zudem die Diagnose einer ADHS noch nicht zwingend gestellt. 

ADHS bedeutet oft nicht, zu wenig zu denken, sondern gleichzeitig an zu viele Dinge zu denken.

Eine ADHS führt dazu, dass Betroffene in späteren Lebensphasen Schwierigkeiten im Zusammenleben mit anderen Menschen empfinden. Ihr hyperaktives Gehirn bedingt, dass es ihnen weniger als anderen Menschen gelingt, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und zu regulieren oder klare Gedanken in der Form zu fassen, dass ihnen ein positives Miteinander mit ihren Mitmenschen leicht fällt. Sie erleben ihre Teilhabe im sozialen Umfeld als instabil, verunsichernd und beängstigend. Dies kann zu sozialen und emotionalen Entwicklungsstörungen führen. Es muss ihnen so ungleich schwerer fallen, als nicht Betroffenen, eine verlässliche Bindung zu Bezugspersonen aufzubauen oder Regeln und Rollenerwartungen gerecht zu werden. Dies verstärkt sich, wenn über Jahre negative Erfahrungen gemacht werden, ohne dass die Ursache dieser Misserfolge benannt werden kann.

Zu den Symptomen einer ADHS gehören auch eine hohe Reizoffenheit und emotionale Empfindsamkeit. Diese führen gerade in Gruppensituationen zu einem Überforderungsgefühl und dadurch zu sozialem Rückzug und häufig zu weiteren sozialen Ängsten. 

Gleichzeitig sind Betroffenen Langeweile oder Situationen ohne Anreiz unangenehm. In diesen Situationen kann in ihnen eine starke innere Unruhe wachsen, ein Stimmungseinbruch oder ein Drang, durch impulsive Handlungen oder Bewegung eine Änderung des Zustandes herbeizuführen – notfalls auch durch Provokation oder selbstschädigendes Verhalten. Sie werden leicht unruhig, zappelig, unkonzentriert, sind innerlich und äußerlich ständig auf dem Sprung, suchen den »Kick«, das Interessante, das Spannungsgeladene oder den Streit. 

Um dieser Unruhe zu entfliehen, neigen Betroffene dazu, sich in für sie “anregende” Situationen zu begeben, sich zu stimulieren. Sie suchen zum Beispiel Streit oder aggressive Auseinandersetzungen, treiben exzessiv Sport oder suchen riskante Sportarten, experimentieren mit Drogen, zeigen autoaggressives Verhalten. Das kann zum Beispiel die normale Entwicklung etwa im Schulalltag beeinträchtigen und zu zusätzlicher sozialer Ausgrenzung führen. Lerndefizite sind die Folge, die erneut soziale Ausgrenzung fördern. 

Menschen, die von ADHS betroffen sind, erleben sich als “falsch”. So entsteht oft eine depressive Verstimmung. Gleichzeitig sind sie in Situationen, die sie stark stimulieren, oft zu großen Leistungen fähig. In der Ambivalenz zwischen Depression und Leistungsfähigkeit fehlt ihnen ein klares Selbstbild. Dies kann zu Selbstwertproblemen und Selbstabwertungen führen. 

Menschen mit ADHS “trainieren” zudem ihr ganzes Leben lang ihren Umgang mit ihrer Symptomatik. Sie erarbeiten sich Techniken und Mechanismen, die zwar ihre Symptome nicht lindern, nach außen aber zu korrigieren scheinen: z. B. durch eine zwanghafte Überkompensation , sodass sie äußerlich zwar unauffällig erscheinen, dies aber innerlich nicht sind . Doch diese “Korrekturen” können schlussendlich das Leiden an der ADHS noch verstärken. Sie bedeuten keine wirkliche Heilung, sondern erhalten und forcieren den Leidensdruck.

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Diagnose

ADHS lässt sich nicht etwa wie eine Viruserkrankung mit einem Labortest nachweisen. Daher erfolgt bei der Diagnose einer ADHS eine umfangreiche Anamnese der typischen Lebensgeschichte mit Beginn in der frühen Kindheit anhand von Eigen- und Fremdanamnese sowie einer Verhaltensbeobachtung im klinischen Alltag. Zudem erfolgt eine Testung mit unterschiedlichen Testverfahren bei den Betroffenen und ihren nahen Angehörigen. 

Bei jedem Patienten findet deshalb eine eingehende psychiatrisch/psychologische Aufnahmeuntersuchung statt. Hier wird eine biographische Anamnese mit sozialer Entwicklung erhoben, sowie nach Stärken (Ressourcen) und besonderen Belastungsfaktoren gefragt. Selbstverständlich müssen fremdanamnestische Informationen (z.B. Eltern, Partner) und Vorberichte mit in diese Befragung einbezogen werden, wobei im klinischen Verfahren der Klinik Lüneburger Heide ausdrücklich Lebenspartner zu diagnostischen und therapeutischen Gesprächen in den Behandlungsprozess integriert werden können.

Anhand einer Screening-Diagnostik mit Fragebögen wird in der Klinik Lüneburger Heide zunächst einen erster Überblick über die Behandlungsrelevanz ermittelt und dann werden anhand von Symptomlisten zur Selbst- und Fremdbeurteilung zusätzliche Informationen erhoben. 

Inhalt des Fragebogens

Im Einzelnen wird erfragt:

 

  • welche aktuelle Symptomatik Anlass für die Behandlung ist und in welchen verschiedenen Lebensbereichen Probleme bestehen.
  • welche Stärken und Ressourcen bestehen und bisher geholfen, die für die Behandlung möglicherweise genutzt und ausgebaut werden könnten.
  • ob Auffälligkeiten in der frühkindlichen Entwicklung (Entwicklungsverzögerungen wie Stottern, Bettnässen, motorische Störungen z.B. beim Laufen lernen oder Wahrnehmungsstörungen) bestehen oder bereits früher zu Diagnostik- oder Behandlungsempfehlungen geführt haben.
  • ob körperliche Beschwerden, insbesondere Hinweise auf eine autonome Regulationsstörung des vegetativen Nervensystems in den Bereichen Essen und Trinken, Schlaf, Temperatur und Schmerzempfinden, Berührung bzw. Nähe- und Distanzregulation vorliegen.
  • wie die Entwicklung der Problematik über die Jahre verlaufen ist. Hierbei interessiert es besonders, ob fortlaufend in verschiedenen Lebensbereichen relevante Auffälligkeiten bestanden haben und welche Ausgleichsmöglichkeiten möglicherweise unbewusst als Reaktion auf die Grundproblematik eine Rolle gespielt haben (z.B. rigide Leistungserfüllung in der Schule, Perfektionismus, frühzeitiger Abbruch von Ausbildungen, häufiger Arbeitsplatzwechsel, Überspielen der eigenen Notlage).
  • ob weitere seelische Erkrankungen, insbesondere bei Geschwistern oder Familienangehörigen auch im Sinne eines hyperkinetischen Syndroms, Impulskontrollstörungen oder Suchtprobleme, chronische Depressionen etc. vorhanden sind.
  • wie die Berufsanamnese aussieht, da sich bei ADHS-Patienten oft erhebliche Probleme in der Ausbildung ergeben, was aber ein Studium nicht ausschließt. Vielfach fallen jedoch wiederholte Arbeitsplatzwechsel oder erhebliche interaktionelle Probleme mit Vorgesetzten und Kollegen auf. Kennzeichnend für die Schilderung des Berufsweges vieler ADHS-Patientinnen und -Patienten ist, dass sie ihr volles Leistungspotential nicht nutzen konnten. Gerade Aufgaben, die mehr Mitarbeiterverantwortung und Organisation beinhalten, führen häufig zu Problemen, nicht selten auch zur Kündigung.
  • nach zusätzlichen psychischen Problemen und Erkrankungen, die häufig erst auf Nachfrage berichtet werden. Hierzu gehören neben depressiven Symptomen und Ängsten, soziale Schwierigkeiten, Störungen der Impulskontrolle, Zwänge, Aggressivität und insbesondere Probleme im Umgang mit wichtigen Bezugspersonen (Interaktionsproblematik). Häufig finden sich Patienten mit zusätzlicher Persönlichkeitsstörung (z.B. emotional-instabile Persönlichkeit). Aber auch der Verlauf anderer psychiatrischer Erkrankungen (z.B. manisch-depressive Erkrankungen, Psychosen) kann durch das Vorliegen einer ADHS-Veranlagung negativ beeinflusst sein.
  • nach einer Medikamenten- und Drogenanamnese, die einerseits Hinweise auf häufig vorkommende ungewöhnliche (»paradoxe«) Medikamentenwirkungen ergibt. Andererseits setzen ADHS-Patienten oft Drogen als ungeeignete Selbstmedikation zur Stimulation und / oder Beruhigung des Gehirns ein.
Diagnosekriterien der ADHS im Erwachsenenalter 

Nach den deutschen Leitlinienempfehlungen wird entweder eine Diagnose nach ICD 10, nach DSM-IV Kriterien oder über die Wender-Utah Kriterien empfohlen. Lediglich über DSM-IV lässt sich auch der unaufmerksame Subtypus diagnostizieren. 

Zu den geforderten Kriterien gehören 

  • entweder sechs oder mehr Symptome der Aufmerksamkeitsstörung fortbestehen,
  • sechs oder mehr Symptome der Hyperaktivität und Impulsivität fortbestehen, 
  • einzelne Symptome bereits vor dem 12 Lebensjahr vorhanden sind,
  • Beeinträchtigung durch Symptome der ADHS in mindestens zwei wichtigen Lebensbereichen,
  • klare Hinweise auf Beeinträchtigung im sozialen Bereich, in der Schule oder im Rahmen der beruflichen Tätigkeit,
  • keine Erklärung durch andere psychische Störungen gegeben.

Bei Vorliegen der Kriterien der Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität / Impulsivität spricht man von einem kombinierten oder gemischten Typus der ADHS. Bei Vorliegen von sechs von neun Symptomen der Aufmerksamkeitsstörung, jedoch fehlenden Symptomen der Hyperaktivität oder Impulsivität, wird ein primär unaufmerksamer Typ diagnostiziert. Seltener wird bei alleinigem Vorherrschen von Symptomen der Hyperaktivität und Impulsivität von einem primär hyperaktiv-impulsiven Typus gesprochen.

Unser Behandlungskonzept bei ADHS

Die ADHS wird mit einer Kombination aus Psychotherapie, Coaching und ggf. medikamentös behandelt. Das Behandlungskonzept der Klinik Lüneburger Heide fußt auf den aktuellen Behandlungsleitlinien der Fachgesellschaften (DGPPN) zu ADHS im Erwachsenenalter. 

Der Schwerpunkt der psychotherapeutischen Arbeit in der Klinik Lüneburger Heide liegt in der Schaffung eines Settings, das für die Betroffenen immer wieder deutlich die Besonderheiten von Symptomen und Verhaltensweisen der ADHS benennt. So kann den Betroffenen bewusst werden, welche Aspekte ihres Leidens auf die ADHS zurückzuführen sind. Sie beginnen, ihre Symptome und ihr Leiden zu verstehen – ein erster Schritt, um sich im Leben neu aufzustellen. 

Wichtig ist dafür auch die Teilnahme an einer Gruppentherapie. Gemeinsam in der Gruppe von Gleichbetroffenen können Wege gefunden werden, mit den eigenen Symptomen neu umzugehen. So können neue Kompetenzen für die Bewältigung des Alltags und neue Perspektiven für die Lebensplanung entstehen. Die Einstellung einer Medikation wird dabei umfassend begleitet. Jede Patientin und jeder Patient reagiert anders auf die Einnahme der Medikamente. Diese individuelle Reaktion und das eigene Empfinden müssen in enger Abstimmung mit dem verordnenden Arzt überwacht und stets optimiert werden.

Ziele der Behandlung

Liegt eine ADHS vor, so erleben Betroffene oft über Jahre ein stetiges Scheitern. Partnerschaften zerbrechen, Freundschaften und selbst familiäre Beziehungen sind oft belastet von Konflikten. Bildungswege und Berufstätigkeit werden abgebrochen oder häufig gewechselt. Oft haben Betroffene aber auch besondere Fähigkeiten und Kompetenzen, die sie im Alltag jedoch nicht abrufen und anwenden können und somit auch dort scheitern. 

Die Betroffenen selbst können sich dieses Scheitern nicht erklären, suchen die Ursache bei sich und in ihrem Verhalten. Selbstvorwürfe, Verzweiflung und Hilflosigkeit verfestigen sich und wandeln sich nicht selten in Aggression, sozialen Rückzug und große seelische Not. Ein weiterer Aspekt der ADHS ist bei einigen Betroffenen eine mangelnde Impulskontrolle. Sie greifen ihr Umfeld übermäßig an, zeigen Emotionen, mit denen ihre Mitmenschen nicht umgehen können. Das kann die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben stark belasten. 

Das wichtigste Ziel einer Behandlung ist daher, die Auswirkung einer ADHS und ihre Mechanismen zu erkennen. Betroffene müssen erleben, dass sie nicht „falsche“ oder „schlechte“ Menschen sind, sondern dass ihr Verhalten seine Ursache in der ADHS hat. Um dies zu erreichen, wird in der Klinik Lüneburger Heide ein Behandlungskonzept auf vielen Ebenen umgesetzt. Der Aufbau eines positiven Selbstwertgefühles ist dabei zentral. Erleben Betroffenen, dass sie aktiv ihr Selbstwertgefühl verbessern können, kann sich ein wesentlicher Heilungserfolg einstellen. 

Das integrative Therapiekonzept an der Klinik Lüneburger Heide vereint Informationsvermittlung, Psychotherapie, Medikation, Hilfe zur Selbsthilfe und Sozialberatung in der stationären Behandlung. Es schließt zudem die weitere hausärztliche und psychotherapeutische Betreuung oder ggf. Anbindung an Selbsthilfegruppen vorausschauend ein. Das Behandlungskonzept der Klinik Lüneburger Heide fußt dabei auf den aktuellen Behandlungsleitlinien der Fachgesellschaften zu ADHS im Erwachsenenalter.

Medikation bei einer ADHS

Die Medikation ist für viele Betroffene die Grundlage, neu mit ihrer ADHS umgehen zu können. Auch im Erwachsenenalter kann eine medikamentöse Therapie eine Voraussetzung zur Stabilisierung sein. Patientinnen und Patienten erfahren, dass sie ihre Aufmerksamkeit besser steuern können, dass sie sich besser konzentrieren, dass ihnen eine Selbstkontrolle gelingt. 

Häufig erleben Patientinnen und Patienten unter der Medikation zum ersten Mal, dass die großen Stressfaktoren ihrer Symptome für sie beherrschbar erscheinen. Sie können sich plötzlich konzentrieren und fokussieren. All‘ dies haben die Symptome der ADHS ihnen vorher unmöglich gemacht. Damit schafft die Pharmakotherapie einen Freiraum, in dem neue Aufmerksamkeit und Reflexion über ihre Symptomatik aufgebaut werden können. Stress und Unsicherheit, Zweifel und Ängste nehmen ab und geben Raum für den Ansatz der integrativen Therapie. 

In der Klinik ist bei entsprechender Indikation auch eine Ersteinstellung auf ein Psychostimulans oder einen Noradrenalinwiederaufnahmehemmer möglich. Auch eine Umstellung der Medikation bei bisher nicht ausreichender Wirksamkeit kann erfolgen. 

Die Einstellung der Medikation wird dabei umfassend begleitet. Jede Patientin und jeder Patient reagiert anders auf die Medikamente. Die Einstellung der Medikation auf die richtige Dosis ist ein komplexer Prozess und wird in der Klinik umfassend ärztlich begleitet. Die psychische Reaktion der Patientin oder des Patienten und ihr oder sein individuelles Empfinden der Wirkung der Medikamente muss in enger Abstimmung mit dem verordnenden Arzt überwacht und stets optimiert werden. 

So entsteht ein Medikationsplan, der in eine routinierte Anwendung im Alltag übergehen kann. Dabei lernen die Patientinnen und Patienten, wie die Medikamente auf sie persönlich wirken und wie sie sogenannten Rebound-Effekten – Wiederauftreten von Unruhe oder aggressivem Verhalten bei nachlassender Wirkung – begegnen können. Sie lernen auch, welche Risiken und Nebenwirkungen die medikamentöse Therapie hat. 

Wegen der vielfältigen Komorbidität mit anderen Erkrankungen kann auch eine Kombinationsbehandlung mit weiteren Medikamenten (zum Beispiel Antidepressiva) notwendig werden.